"Wir bekommen pro Woche rund zehn Anfragen
von jungen, unbekannten Künstlern, die händeringend nach Ausstellungsmöglichkeiten
für ihre Werke nachsuchen", berichtet Carola Hartlieb vom Kunst-Onlinemagazin
art-in-berlin.de. Das Magazin selbst vermittelt jedoch keine solchen Möglichkeiten.
"Es ist unendlich schwierig für einen unbekannten Künstler, bei einer etablierten
Galerie auszustellen", sagt Hartlieb. Sie rät Künstlern, sich gut über die Galerieszene
zu informieren und Galeristen "bloß nicht anzurufen". Ein persönlicher Besuch
sei eher zu empfehlen, wobei jedoch nie Originale mitzubringen seien. Besser
seien CDs oder Foto-Abzüge der Werke. Ein Empfehlungsschreiben einer Hochschule
sei immer gut, ebenfalls Empfehlungen von bekannten Künstlerfreunden. Relativ
gute Chancen bieten sich bei den diversen Künstlerförderungen, die Bezirksämter
oder Stadtverwaltungen durchführen. Auch in Kneipen oder Zahnarztpraxen auszustellen,
könne sich im Einzelfall durchaus lohnen, so Hartlieb. Dort würden mehr Bilder
verkauft, als sich ein Außenstehender es vorstellen kann.
"Wir haben die Galerie 1998 zusammen mit
Meisterschülern der Kunstakademie Düsseldorf gegründet", erzählt Peter Clouth,
Betreiber der Produzentengalerie Plan D. Im Jahr laufen hier 13 bis 14 Ausstellungen,
längst nicht mehr nur mit Werken der Galeriegründer. Clouth: "Es hat sich dahin
entwickelt, Künstler einzuladen, denn den Besuchern werden immer nur die gleichen
Aussteller auf Dauer langweilig". 85 Prozent der Aussteller kommen nicht aus
Düsseldorf, sondern von außerhalb, denn eingesessene Düsseldorfer Künstler haben
genug anderweitige Möglichkeiten, ihre Werke dem Publikum nahe zu bringen.
(Anmerkung von Peter Clouth:
Um weiteren Missverständnissen vorzubeugen, ich bin weder Gründer
noch alleiniger Betreiber von plan.d.
Wir sind eine Gruppe von zur Zeit 14 gleichberechtigten Künstlern welche
sich in diesem e.V. zusammengefunden haben.)
Junge, unbekannte Künstler sprechen die
Galerie des Öfteren an, um Möglichkeiten zur Ausstellung zu erfragen. Dabei
spielt natürlich die Galeristenmarge, die bei der Produzentengalerie um einiges
niedriger liegt als bei normalen Galerien, eine Rolle. Während normale Galerien
zwischen 40 und 80 Prozent des erzielten Preises als Kommission einbehalten,
kommt die Produzentengalerie mit wesentlich weniger aus.
Dafür erhalten die Künstler auch keine kontinuierliche Betreuung, was einige
von ihnen sehr schätzen, besonders, wenn es sich um Künstler aus dem Ausland
handelt. Außerdem seien Produzentengalerien nicht so sehr auf ein bestimmtes
Genre festgelegt. Hier eröffnet sich gerade für unbekannte Künstler ein weites
Experimentierfeld. Kommerz steht nicht im Vordergrund, sondern eher das sinnliche
Erleben von Kunst. Obwohl Clouth in den letzten Jahren einen Rückgang erlebte,
was den Verkauf von Kunstwerken anging, zieht die Galerie demnächst in größere
Räume. "Wir sind hoffnungsvoll", beschreibt der Galeriechef seine Erwartungen.
In Berlin gibt es bei einer Gesamtzahl von rund 400 Galerien rund 50 Produzentengalerien. Die bekannteren heißen Kunstfaktor, Labor 19, Diskus oder Galerie En Passant. Frank Benno Junghanns (41) betreibt die Produzentengalerie Kunstfaktor seit 1997. "In unserem Atelierhaus wurden im Vorderhaus Räume frei, die wir günstig bekommen konnten". Für rund 400 Quadratmeter verlangte der Vermieter 500 Euro Miete. Jetzt ist es allerdings vorbei mit dem günstigen Galerieprojekt, und Junghans schwant schon, dass er solch günstige Räume in zentraler Berliner Lage nicht mehr bekommen wird. "Jetzt wird die Internetseite und der E-Mail Verteiler viel wichtiger", so Junghans. Ihm schwebt eine Zwischennutzung von Räumen vor oder eine mobile Galerie.
Seit 1995 gibt es im Berliner Stadtteil
Weißensee die Produzentengalerie Labor19, die eigene Räume besitzt und deshalb
keine Miete zahlen muss. Institutionelle Förderung erhält die Galerie nur ab
und zu und in kleinem Ausmaß, etwa vom Kulturamt Pankow. "Die Galerie ist zudem
etwas abgelegen, deshalb öffnen wir nur nach Absprache für den jeweiligen Interessenten",
sagt Nicola Mueller, Fotografin und Mitglied der Produzentengalerie.
Die Mischung der rund sechs Künstler variiert, vertreten sind so unterschiedliche
Gattungen wie Malerei, Fotografie, Grafik und Zeichnung. Trotz der großen Zahl
der Galerien und Produzentengalerien in Berlin schätzt Mueller es als schwierig
für unbekannte Künstler ein, eigene Werke auszustellen. "Das geht nur mit entsprechenden
Kontakten". Woher man die nimmt und wie sie zustande kommen, kann Mueller allerdings
auch nicht sagen.
Parallel zur Suche nach geeigneten Galerien bietet es sich für unbekannte Künstler an, Kunstmagazine für sich zu begeistern. Große Magazine wie Art oder Monopol, aber auch kleinere Titel verfügen über eine zielgruppengenaue Leserschaft. "Sehr viele Künstler wenden sich mit ihren Bildern an uns, und wir schauen uns auch jede Einsendung genau an", sagt Ingolf Kern, Textchef des Magazins "Monopol". Gerade habe das Magazin die Rubrik "Watchlist" modifizieren müssen, um künftig mehr interessante und junge Künstlerinnen und Künstler vorstellen zu können. "In Zukunft streben wir eine Kooperation mit Kunsthochschulen in Deutschland an", sagt Kern.
Auf den Vermarktungsweg Internet setzt die Berliner Künstlerin Treisuda Konggann dagegen. Sie eröffnete im letzten Jahr die virtuelle Galerie www.surfpainting.com, um befreundeten Künstlern die Chance zu geben, ihre Werke direkt zu vermarkten. "Die Kunstwerke sind gedacht für ganz normale Endverbraucher, die die Bilder in ihre Wohnung hängen wollen, aber auch Restaurants oder Hotels." Die Preise bewegen sich bis rund 1000 Euro, pro Monat verkauft Konggann dabei mehr als zehn Werke. Die Bilder haben Festpreise, sind aber im Einzelfall verhandelbar. Konggann: "Mein Ziel ist es, Kunden zur Direktbestellung per Internet zu bewegen". So spart sich die Kunstvermittlung teure Galerieräume und kann so wesentlich günstiger als herkömmliche Galerien kalkulieren.
Artikel erschienen am 02.09.2006